photographies
Wenn Bruno Augsburger von seinen Abenteuern in der kanadischen Wildnis berichtet und beiläufig erwähnt, dass er eigentlich ein Trapper hätte werden wollen, dann darf man den lächelnden Wink nicht übersehen, der sich auch in seinen Bildern spiegelt. Sicher, Augsburgers Expeditionen in die unwegsamen Gebiete des Yukon verlangen intensive Vorbereitung und eine Menge an Erfahrung, gerade, wenn es darum geht, bei minus 30 Grad, eingebettet in einer Schneewechte zu übernachten oder tagelang mit einem Minimum an Ausrüstung durch die Wälder des hohen Nordens zu streunen. Was Augsburger sucht, sei die absolute Stille, das einfache Leben, wie er beteuert, und dabei wird ihm, fernab der Zivilisation, der Körper zum eigentlichen Erfahrungsinstrument. In dessen Befinden, sei es Hochgefühl, Erschöpfung oder ruhige Ausgewogenheit, tut sich ein immer wechselndes Verhältnis kund zu dem, was wir aus unserer städtischen Perspektive ›Natur‹ nennen. Die Fotografien sind Produkte dieses Befindens: Nebenprodukte. Sie bleiben als Spuren von den intensiven Erlebnissen, die der Künstler anstelle seines Publikums gesucht hat.
Fischen, Elchjagd und Pilzsuche geben die Anlässe für die verwegenen Unternehmungen, und dabei geht Augsburgers Blick selten durch den Sucher seiner Kameras, die er im Kleinbild- und Mittelformat bei sich führt. Sie sind Begleiterinnen an seiner Seite, wie dann auch der Moment des Auslösens immer ein anderer ist als der unmittelbar erlebte. Eine solche fotografische Haltung fördert Nebenschauplätze zu Tage; sie finden ihre geographische Entsprechung in den namenlosen Landschaften dieser Erde.
So sehr diese Arbeit sich mit Natur beschäftigt, das Urbane ist nicht aus ihr wegzudenken. Bilder, wie 72 Days und London Heathrow, auf denen die ausgelegte Ausrüstung und der ›security scan‹ des Reisegepäcks zu sehen sind, erinnern daran, dass die Sehnsucht nach Natur einem städtischen Kontext entstammt. Auch Rousseau und Henry Thoreau haben das natürliche Leben mit dem gesellschaftlichen konfrontiert. Wenn Augsburger ihre aufgeschlagenen Bücher auf dem bewachsenen Boden fotografiert, lässt er die Texte nicht nur als Schrift-Landschaften erscheinen, er betont zugleich die Differenz des Natürlichen zum Medium seiner Überbringung.
Beim Aufspüren und Zurückbringen in Form des Bildes handelt es sich um zwei grundlegende Bewegungen dieser Arbeit. Denn ähnlich wie die Naturgeschichte zu Rousseaus Zeit ihre Aufgabe darin verstand, Lebewesen und Mineralien aus aller Welt zusammenzutragen, legt uns der Fotograf Landschaften und Fundstücke von seinen Reisen vor. Das Bild mit dem Titel Canis lupus zeigt einen freigestellten Wolfsschädel. Darin klingt vergangene Wissenschaft an. Die Funde aber, die einst die Daheimgebliebenen in Staunen versetzten, rücken bei Augsburger in eine eigentümliche Distanz. Das kommt nirgends so humorvoll zur Geltung wie im Bild Fliegenfischen. Die Angel, in der Wildnis ein unverzichtbares Gerät, verwandelt sich zum Sinnbild, wenn sie über den Dächern von Zürich ausgeworfen wird. Das Bild gibt Auskunft über das Verfahren des Fotografen und wirft zugleich die Frage auf, welche Rolle Natur, wenn es sie als unversehrte noch gibt, im modernen Leben denn spielen kann. Berge, Sümpfe und Wälder - sie erscheinen in Bruno Augsburgers Fotografien in einer unnahbaren Stille.
Thomas Forrer, Zürich
Wenn Bruno Augsburger von seinen Abenteuern in der kanadischen Wildnis berichtet und beiläufig erwähnt, dass er eigentlich ein Trapper hätte werden wollen, dann darf man den lächelnden Wink nicht übersehen, der sich auch in seinen Bildern spiegelt. Sicher, Augsburgers Expeditionen in die unwegsamen Gebiete des Yukon verlangen intensive Vorbereitung und eine Menge an Erfahrung, gerade, wenn es darum geht, bei minus 30 Grad, eingebettet in einer Schneewechte zu übernachten oder tagelang mit einem Minimum an Ausrüstung durch die Wälder des hohen Nordens zu streunen. Was Augsburger sucht, sei die absolute Stille, das einfache Leben, wie er beteuert, und dabei wird ihm, fernab der Zivilisation, der Körper zum eigentlichen Erfahrungsinstrument. In dessen Befinden, sei es Hochgefühl, Erschöpfung oder ruhige Ausgewogenheit, tut sich ein immer wechselndes Verhältnis kund zu dem, was wir aus unserer städtischen Perspektive ›Natur‹ nennen. Die Fotografien sind Produkte dieses Befindens: Nebenprodukte. Sie bleiben als Spuren von den intensiven Erlebnissen, die der Künstler anstelle seines Publikums gesucht hat.
Fischen, Elchjagd und Pilzsuche geben die Anlässe für die verwegenen Unternehmungen, und dabei geht Augsburgers Blick selten durch den Sucher seiner Kameras, die er im Kleinbild- und Mittelformat bei sich führt. Sie sind Begleiterinnen an seiner Seite, wie dann auch der Moment des Auslösens immer ein anderer ist als der unmittelbar erlebte. Eine solche fotografische Haltung fördert Nebenschauplätze zu Tage; sie finden ihre geographische Entsprechung in den namenlosen Landschaften dieser Erde.
So sehr diese Arbeit sich mit Natur beschäftigt, das Urbane ist nicht aus ihr wegzudenken. Bilder, wie 72 Days und London Heathrow, auf denen die ausgelegte Ausrüstung und der ›security scan‹ des Reisegepäcks zu sehen sind, erinnern daran, dass die Sehnsucht nach Natur einem städtischen Kontext entstammt. Auch Rousseau und Henry Thoreau haben das natürliche Leben mit dem gesellschaftlichen konfrontiert. Wenn Augsburger ihre aufgeschlagenen Bücher auf dem bewachsenen Boden fotografiert, lässt er die Texte nicht nur als Schrift-Landschaften erscheinen, er betont zugleich die Differenz des Natürlichen zum Medium seiner Überbringung.
Beim Aufspüren und Zurückbringen in Form des Bildes handelt es sich um zwei grundlegende Bewegungen dieser Arbeit. Denn ähnlich wie die Naturgeschichte zu Rousseaus Zeit ihre Aufgabe darin verstand, Lebewesen und Mineralien aus aller Welt zusammenzutragen, legt uns der Fotograf Landschaften und Fundstücke von seinen Reisen vor. Das Bild mit dem Titel Canis lupus zeigt einen freigestellten Wolfsschädel. Darin klingt vergangene Wissenschaft an. Die Funde aber, die einst die Daheimgebliebenen in Staunen versetzten, rücken bei Augsburger in eine eigentümliche Distanz. Das kommt nirgends so humorvoll zur Geltung wie im Bild Fliegenfischen. Die Angel, in der Wildnis ein unverzichtbares Gerät, verwandelt sich zum Sinnbild, wenn sie über den Dächern von Zürich ausgeworfen wird. Das Bild gibt Auskunft über das Verfahren des Fotografen und wirft zugleich die Frage auf, welche Rolle Natur, wenn es sie als unversehrte noch gibt, im modernen Leben denn spielen kann. Berge, Sümpfe und Wälder - sie erscheinen in Bruno Augsburgers Fotografien in einer unnahbaren Stille.
Thomas Forrer, Zürich





