Bruno Augsburger
Die Landschaften Bruno Augsburgers sind frei von menschlichen Eingriffen und dennoch handeln die Bilder nicht von der Sehnsucht nach unversehrter Natur. Entstanden sind sie auf Streifzügen im nordkanadischen Yukon, in der isländischen Tundra und in den Alpen - als Nebenprodukte. Häufig nämlich fischt Bruno Augsburger, um zu fotografieren. Er sucht Pilze oder folgt Tierfährten, wenn er die Kamera bei sich trägt.
Die neueren Arbeiten des Fotografen, der in Zürich und Leipzig studiert hat, sind durch die Kamera im Mittelformat bestimmt: Ihre Handlichkeit erlaubt es, en passant zu fotografieren. Anders als der Promeneur, der sich niederlässt, um in der Betrachtung von «Naturgemälden» zu versinken, verzichtet Augsburger bei seinen Aufnahmen auf den Anspruch, «bei der Sache» zu sein. Die Kamera bleibt dem Streuner Begleiterin, wie auch der Moment des Auslösens immer ein anderer ist als der erlebte. Eine solche fotografische Haltung aber fördert unerwartete Nebenschauplätze zu Tage; sie finden ihre geografische Entsprechung in den unwegsamen Flecken dieser Erde.
Dass die Landschaften so nie gesehen worden sind, vermeldet das reduzierte, kühle Farbspektrum der Prints. Die Lichtsituation ist diffus, dunstig. Der Nebel hängt tief, die Wolkendecke verbindet sich mit dem Boden. Augsburgers Bilder hindern daran, über den Horizont hinaus in die Ferne zu schweifen. Sie rücken Berg, See, Fluss, Wald in eine lautlose Distanz.

Thomas Forrer, Zürich
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